Lebensphilosophie, Erkenntnisse und Lebensweisheiten  

Ich war schon immer auf der Suche nach der tiefergehenden Wahrheit unseres Seins. An dieser Stelle möchte ich gerne einige meiner wichtigsten Erkenntnisse und Lebensweisheiten teilen, die ich in meiner bisherigen Lebensreise gewonnen habe. Darüber hinaus will ich erläutern, wie sich meine dabei entstandene Lebensphilosophie entscheidend auf mein Musikverständnis auswirkt.

Meine 'spirituelle Reise' begann in meinen frühen Zwanzigern, einer Zeit, in der ich mir der immensen Kraft des Geistes bzw. der Gedanken immer mehr bewusst wurde. Zu jener Zeit stieß ich auf mein erstes spirituelles Buch, welches seither einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen hat:
James Allens As A Man Thinketh (1903). In seinem kleinen Werk argumentiert Allen überzeugend, wie die Kultivierung positiver und konstruktiver Gedanken (während gleichzeitiger Eliminierung negativer und destruktiver Gedanken) zu innerem und äußerem Wohlbefinden führt. Damals stimmte ich Allens Ansatz und Logik, die mit seiner Schlussfolgerung einhergingen, dass unsere Gedanken uns zu dem machen was wir sind/werden, vollkommen zu. Mit zunehmendem Alter wurde mir jedoch klar, dass Allens Vorgehensweise, durch „richtiges Denken“ einen Zustand der Glückseligkeit und des inneren Friedens zu erreichen, unvollständig war. In Anbetracht der großen Tiefe menschlicher Existenz und Erfahrung schien mir sein Ansatz zu simpel. Und obwohl ich die positive Wirkung „richtigen Denkens“ aus eigener Erfahrung bezeugen konnte, führte dessen Anwendung nicht dazu, dass ich dauerhaften oder tiefen inneren Frieden erfuhr.

Viele Jahre später stieß ich schließlich auf
Eckhart Tolle's The Power of Now (1997). Sein Buch hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Während Tolle im Wesentlichen mit Allens Prämisse der außergewöhnlichen Kraft des Geistes übereinstimmt, ist seine Methode zur Erreichung des inneren Friedens radikal verschieden: Gedanken werden durch Gegenwartsbewußtsein zum Schweigen gebracht. So sieht Tolle die Gedanken bzw. den Geist selbst als das Hauptproblem (ein "Monster", wie er es nennt), das dem Erreichen des inneren Friedens im Wege steht. Daher kann der Geist nicht Teil der Lösung sein. Und ich stimme dieser Schlüsselerkenntnis aus eigener Erfahrung vollkommen zu.

Ich beschäftige mich schließlich noch ausführlicher mit der östlichen Philosophie und den östlichen Religionen (Hinduismus, Buddhismus, einschließlich Zen). In diesem Zusammenhang fand ich
Allan Watts Out of Your Mind (2004) sehr aufschlussreich. Besonders fasziniert hat mich die tiefe Weisheit, die sich in den folgenden buddhistischen Grundlehren verbirgt:

 

  • Die Drei Daseinsmerkmale (1.Unbeständigkeit, 2.Leiden [durch Verlangen / Begehren / Klammern], 3.Nicht-Ich)

  • Wir sind uns der drei Daseinsmerkmale nicht bewußt, was automatisch Leiden zur Folge hat

  • Die Vier Edlen Wahrheiten sind dazu da, uns obige Tatsachen bewußt zu machen und damit letztendlich das Leiden zu beenden (1.Leiden, 2.Die Ursachen des Leidens, 3.Die Aufhebung des Leidens, 4.Der Edle Achtfache Pfad [Eine Anleitung, wie man die Aufhebung des Leidens erreichen kann])

  • Nirvana als ultimatives Ziel (Die Freude, unsere Vorstellungen und Konzeptionen vollständig auszulöschen)

 

Da ich mich immer mehr mit der Frage "Wer bin ich?" bzw. "Wer ist dieses Selbst?" auseinandersetzte, vertiefte ich mich in Jiddu Krishnamurtis Reflections on the Self (1998), und um das Ganze noch von einer anderen Perspektive zu durchleuchten, las ich Carl Gustav Jungs Erinnerungen, Träume, Gedanken (1963). Außerdem habe ich die Lehren von Ramana Maharshi und seinem jüngeren Schüler Sri H. W. L. Poonja ausgiebig studiert. Zu guter Letzt hörte ich den heutigen "Gurus" und spirituellen Lehrern wie Sadhguru und Mooji zu.

Mir fiel auf, wie die meisten der obigen Lehren zu ähnlichen Vorstellungen und Schlussfolgerungen über das Leben und wie man im glückseligsten und bedeutungsvollsten Zustand lebt, gelangen. Und zwar, indem man das Leben wie folgt zu erfahren und begreifen versucht:

 

  • Unbeständig (Da sich das Leben fortwährend ändert)

  • Nicht-Ich (Das Ich / "Ego" ist eine reine Erfindung des Geistes; es ist unbeständig wie die Gedanken)

  • Nicht-dual (Beispiele: der Beobachter = der Beobachtete / der Erforscher = der Erforschte)

  • Gedankenfrei (Unser wahrer Seinszustand; Gedanken sind nicht real sondern Illusionen des Geistes)


Darüber hinaus erschloss sich mir am Ende meiner Suche nach der tieferen Wahrheit unseres Seins die vielleicht hoffnungsvollste und erstaunlichste Erkenntnis aller:

Selbsterkenntnis lässt sämtliche Sorgen, Zweifel und Ängste verschwinden; ein Nachhausekommen nach langer Reise; Das wahre Ich ist das formlose, universelle und ewige Bewußtsein selbst.

Zusammenfassend haben die Einsichten und Perspektiven, die ich während meiner fortlaufenden spirituellen Reise gewonnen habe, meine Sicht auf die Welt grundlegend verändert, und sie prägen zutiefst meine heutige Erlebniswelt. Insbesondere erschloss sich mir dabei, welch tragende Rolle der Bewusstseinszustand in Sachen Kreativität spielt, denn dieser scheint der Schlüssel für den Zugang zur Quelle der Schöpfung zu sein. Dieser Logik folgend ist es wenig überraschend, dass die zugrundeliegenden 'Spielregeln' meiner Musik – als Pianist, Komponist und Liedermacher – in völligem Einklang mit jenen tiefgründigen spirituellen Erkenntnissne zu sein scheinen:

  • Folge dem inneren Fluss

  • Sei im 'Hier und Jetzt'

  • Sei vollkommen in den Prozess vertieft

  • Bleibe offen ("Anfängergeist", d.h. frei von Vorannahmen)

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